Linke Klar Vor CDU - Schwierige Regierungsbildung Erwartet
Die Linke gewinnt die Wahl in Berlin deutlich - und wird erstmals stärkste Kraft in der Hauptstadt. Laut vorläufigem Ergebnis liegt Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp mit 25,7 Prozent klar vor der CDU um Spitzenkandidat Stefan Evers mit 18,8 Prozent.
Die AfD wird mit 16,3 Prozent vor den Grünen (14,3 Prozent) und der SPD (12,1 Prozent) drittstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Das BSW verpasst den Sprung ins Abgeordnetenhaus: Die Partei kommt auf 4,7 Prozent, was für den Einzug ins Parlament nicht reicht.
Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent und damit höher als 2023 mit 62,9 Prozent.
Welche Sitzverteilung Ergibt Sich Daraus?
Es sitzen im künftigen Landtag 158 Abgeordnete, die absolute Mehrheit liegt bei 80 Sitzen. Nach aktuellem Stand würde die Sitzverteilung so aussehen:
- Linke: 47 Sitze
- CDU: 34 Sitze
- AfD: 29 Sitze
- Grüne: 26 Sitze
- SPD: 22 Sitze
Das schwarz-rote Bündnis ist damit abgewählt. CDU und SPD kommen zusammen nur auf 56 Sitze.
Welche Regierungskoalitionen Sind Möglich?
Die Möglichkeiten sind begrenzt. Die CDU will nicht mit der Linken koalieren, ein Bündnis mit der AfD haben alle anderen Parteien ausgeschlossen. Da weder CDU noch Linke deutlich stärker als die anderen Parteien sind, kommen politisch eigentlich nur zwei Dreierbündnisse in Frage:
- Linke, Grüne und SPD: 95 Sitze
- CDU, Grüne und SPD: 82 Sitze
Entscheidend ist bei dieser Ausgangslage also nicht, wer am Ende die Wahl gewinnt - sondern wer Grüne und SPD von einer Koalition überzeugen kann. Die Grünen zeigten sich vor der Wahl offen für ein Linksbündnis. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wollte am Abend nicht über Koalitionen sprechen. "Wir sind abgewählt worden", sagte Krach. Der Regierungsauftrag liege bei anderen Parteien.
Wer Hat Wie Gewählt - Und Warum?
In einer Umfrage in der Woche vor der Wahl hat die Forschungsgruppe Wahlen untersucht, welche Probleme die Menschen in Berlin beschäftigen - und inwiefern sie den Parteien zutrauen, diese zu lösen:
Große Unterschiede gibt es beim Wahlverhalten nach Alter. Während 46 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die Linke wählten, lag die Partei bei den über 60-Jährigen hinter CDU, SPD und AfD:
- Alle Grafiken zur Wahl in Berlin
- Berlins bunte Wahlkreiskarte: Die Auszählung live in unseren Grafiken
- Analyse der Forschungsgruppe Wahlen: Linke stärkste Partei bei einer Wahl ohne echten Sieger
Welche Reaktionen Gibt Es?
Großer Jubel bei der Linken - die ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp ausgelassen feiert. "Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen es zu einem besseren Ort", sagt Eralp auf der Wahlparty. "In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen, das haben wir heute allen gemeinsam gezeigt - und dieses Signal geht raus in die Welt."
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert genau daran Zweifel. Er wirft der Linken vor, im Wahlkampf wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen aufgefallen zu sein. "Bis heute gab es keine personellen oder politischen Konsequenzen", kritisiert Schuster.
Bei der CDU spricht Bundeskanzler Friedrich Merz von einem "ordentlichen Ergebnis" unter "schwierigen Bedingungen". Gemeint ist, dass Spitzenkandidat Stefan Evers erst im Juli die Spitzenkandidatur übernommen hatte, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zurückzog. Wegners fehlerhafte Kommunikation nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Januar hatte die CDU in ein Umfragetief gestürzt.
Evers sprach von "gemischten Gefühlen". Das Ergebnis für die Berliner CDU stimme einerseits "demütig". Nach einem sehr guten Ergebnis 2023 habe man "heute deutlich verloren", das sei kein Grund zur Freude. Für die Ausgangslage habe man aber "ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt - und das ist euer Erfolg", lobte er die Wahlkämpfer seiner Partei.
Ein Debakel ist der Wahlabend dagegen für die SPD, die Berlin mit Bürgermeistern wie Willy Brandt oder Klaus Wowereit über Jahrzehnte regierte. Die Sozialdemokraten unterbieten die historisch schlechten 18,4 Prozent der letzten Wahl noch einmal deutlich. Ein "katastrophales Ergebnis für die Berliner SPD", räumte Spitzenkandidat Steffen Krach ein.
Unklar ist dabei, wie sehr die Ermittlungen gegen Krach seinem Wahlkampf und dem Ergebnis geschadet haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen gegen Krach. Der SPD-Politiker wies die Vorwürfe zurück.
Weitere Reaktionen Im Video
Berliner Spd-Politikerin Franziska Giffey
Spd-Generalsekretär Tim Klüssendorf
Afd-Chefin Alice Weidel
Grünen-Chefin Franziska Brantner
Linken-Chefin Ines Schwerdtner
Wie Ging Die Letzte Abgeordnetenhauswahl Aus?
Bei der wegen zahlreicher Pannen 2021 gerichtlich angeordneten Wiederholungswahl 2023 gab es diese Ergebnisse:
- CDU 28,2 Prozent (52 Sitze)
- SPD 18,4 Prozent (34 Sitze)
- Grüne 18,4 Prozent (34 Sitze)
- Linke 12,2 Prozent (22 Sitze)
- AfD 9,1 Prozent (17 Sitze)
Obwohl die SPD eine Mehrheit für die Fortführung der rot-grün-roten Regierung gehabt hätte, ging sie eine schwarz-rote Koalition mit dem Wahlsieger CDU ein.
Was Bedeutet Der Wahlabend Für Die Bundespolitik?
Trotz der schlechten Ergebnisse der CDU bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern will Bundeskanzler Friedrich Merz im Amt bleiben - und den eingeschlagenen Reformkurs auch als Parteivorsitzender fortsetzen. "Ich möchte unser Land voranbringen", sagte Merz in Berlin. "Die Reformen müssen kommen."
- Die wichtigsten Zahlen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im Überblick
Auch SPD-Chef Lars Klingbeil will am Reformkurs festhalten, deutete aber Anpassungen an. Gerade das Thema Rente führe "zu großer Verunsicherung in der Bevölkerung", sagte Klingbeil mit Blick auf die Pläne zur Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. "Die Sorge, dass man trotz Lebensleistung, trotz 45 Jahre Arbeit am Ende nicht in die Rente kommt, die müssen wir ernst nehmen und dafür werden wir Lösungen finden."
- Alles zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auch im Liveblog.
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Quelle: mit Material von dpa, AP, AFP, ReutersÜber dieses Thema berichtet das ZDF unter anderem in "Wahl 2026 im ZDF: Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern" am 20.09.2026 ab 17:30 Uhr.
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